Mutter Courage und ihre Kinder

Der Deutsche Schachbund veröffentlichte heute folgende Stellungnahme, in der Präsident Ullrich Krause mitteilt, dass der DSB bei den kommenden Präsidentschaftswahlen der FIDE am 7. August das Ticket von Andrii Baryshpolets und Peter Heine Nielsen unterstützen wird, und nicht etwa die Wiederwahl von Arkady Dvorkovich:

Ich gebe zu, dass mich sowohl die Entscheidung selbst, als auch die Deutlichkeit der Wortwahl positiv überrascht haben.  

Sportverbände sind allgemein nicht für ihren Mut bekannt. Sondern eher dafür, dass moralische Fragen in den Hintergrund treten, solange der Rubel [sic] rollt. Organisationen, bei denen noch sehr viel mehr Geld auf dem Spiel steht als bei der FIDE, also z.B. die FIFA oder das IOC, geben hier immer wieder ein besonders schlechtes Bild ab.

Peter Heine Nielsen wills wissen.

Da in den vergangen Jahren ja auch eine Reihe hochklassiger FIDE-Veranstaltungen in Deutschland stattgefunden haben, hatte ich befürchtet, dass sich der DSB - wider besseres Wissen und aus rein geschäftlichen und machtpolitischen Gründen - für eine Wiederwahl Arkady Dvorkovichs aussprechen würde, gepaart vielleicht mit ein paar Worthülsen zum Thema Frieden und Transparenz. Von grossen Sportverbänden bin ich nichts anderes gewohnt. 

Dass es nun anders gekommen ist, kann ich nur begrüssen. Ob es reicht, wird man sehen. Es wird gemeinhin ja erwartet, dass sich das Team Dvorkovich genug Stimmen aus der Dritten Welt kaufen kann, um einer bequemen Wiederwahl entgegenzusehen. Im Grunde erwarte ich das auch. 
Andererseits halte ich es aber auch nicht für völlig ausgeschlossen, dass sich im Zuge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine beim FIDE-Kongress eine Eigendynamik entwickelt, die Andrii Baryshpolets vielleicht doch ins Amt heben könnte. Unwahrscheinlich, aber nicht ganz ausgeschlossen. 

Im übrigen bin ich der Meinung, dass der Schachbund in strittigen Fragen häufiger so klar und deutlich kommunizieren und Stellung beziehen sollte wie hier. 



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